Franz-Meyers-Gymnasium Mönchengladbach – Klasse 9c

Einstieg im ersten Workshop waren die Vorurteile, die wir alle haben. Wie weit sind eingebunden in ein System von vorgeprägten Meinungen, wie mutig sind wir, auszubrechen. Noch vor etwas mehr als 100 Jahren wäre ein solche Klasse, wie die 9c, kaum denkbar. Noch vor 50 Jahren konnten Frauen nicht Verträge unterschreiben, ohne die Einwilligung ihres Ehemannes. Eine Form der Ausgrenzung, deren Denkstrukturen sich natürlich bestätigt hatte. Klar waren die Frauen, die nichts durften, in der Sicht der Männer nicht fähig und baten oft von sich aus, weil gewohnt, um männliche Hilfe. Aber auch die Züchtigung von Schülern durch Lehrkräfte war bis vor 50 Jahren nicht unüblich, weil die LehrerInnen damals glaubten, anders ginge es nicht. Anhand von 15 Vorurteilen, die von “zu teuer”, “Überforderung für MitschülerInnen”, “Überforderung der Betroffenen” trugen wir Pro und Kontra zusammen. Am Ende stand die Planung der Meinungsumfrage. Eine Gruppe will die Hephata besuchen, um mit Behinderten zu sprechen, eine möchte untersuchen, warum die eigene Schule nicht mehr macht, eine andere will eine Straßenumfrage machen. In der nächsten Stunde planen wir diese Phase.

Der Besuch von Katrin Boes, die uns auch bei dem Gesamtprojekt unterstützt, war spannend. Sie ist Referentin bei Paritätischen Wohlfahrtsverband und konnte aus ihrer Arbeit mit Menschen mit Behinderung packend erzählen. Als sie von ihrem Sohn sprach, der seit seinem 13. Lebensjahr behindert ist, wurde es den Jugendlichen klar wie schnell es sein kann, dass eine Veränderung im Leben eintritt. Dann bildeten wir Arbeitsgruppen. Eine Gruppe will die LehrerInnen ansprechen, eine die Behinderteneinrichtung Hephata, eine weitere will die Menschen auf der Straße fragen und die vierte die Kinder in der Inklusionsklasse. Was sie jeweils fragen können, hielten die SchülerInnen auf Plakaten fest und präsentierten sie im Anschluss. Katrin Boes wird ihren Sohn fragen, ob er Lust hat, nächste Woche mitzukommen. Mit der Schulleitung konnten wir abstimmen, dass die Klasse 9c bei der Verbändeanhörung zum Inklusionsstärkungsgesetz in zwei Wochen zum Landtag NRW fahren können. Da vorher um 9.15 Uhr ein Planspiel vom Landtag NRW läuft, haben wir die Klasse dort angemeldet.

Mit drei Geschichten beschäftigten sich die Arbeitsgruppen und überlegten, wie eine Gesellschaft aussehen müsste, die richtig normal 15pa P1250576wäre. Ein junger Rollstuhlfahrer schreibt in einer Kontaktanzeige, wonach er sich sehnt. Eine Mutter ist verzweifelt, weil ihre Tochter gut zurechtkommt, wenn es nur eine Freundschaft in ihrem Leben gäbe. Ein wütender Behinderter wettert gegen die Politik, die wieder einmal einen Behindertenbeauftragten ernannt hat – ohne dass er von denen gewählt wurde, für die er arbeiten soll. Besonders die ersten beiden Geschichten machten die SchülerInnen betroffen. Wie schlimm muss es sein, wenn die Suche nach Partnern und Freunden so erschwert ist. Ein Teil der Stunde gehörte der Vorbereitung des Landtagsbesuch nächste Woche. Dann ist die Anhörung zum Inklusionsstärkungsgesetz.

Die Klasse 9c konnte am 9.11. einen besonderen Aktionstag verbuchen. Allein der Besuch im Landtag Nordrhein-Westfalen war schon sehr interessant. Als erstes absolvierten sie das Jugendprogramm des Landtages. Sie hatten sich in das Thema Jugendbeteiligung eingearbeitet und Reden geschrieben, die sie als Abgeordnete halten sollten. Danach ging es in den Plenarsaal, wo die Anhörung der Verbände stattfand. Es geht dieser Klasse ja um das Inklusionsstärkungsgesetz. Und heute sollten viele Verbände aus dem Behindertenbereich ihre Änderungswünsche vortragen. Leider wurde die Anhörung abgebrochen, noch ehe sie richtig in Gang kam, weil keine Gebärdendolmetscher kamen. Ohne war eine Anhörung, gerade im Inklusionsbereich nicht möglich.

Zunächst reflektierten die Jugendlichen die Veranstaltung mit Mirco Keilberth. Da hatte zwar nicht unmittelbar mit dem Thema Inklusion zu tun – oder doch? Denn gleich zu Beginn des Projektes haben wir viele Vergleiche zwischen den Themen Behinderung und Flucht gewählt und beides sind natürlich Inklusionsthemen. Danach wurden die Fragen aufgefrischt und ergänzt und schließlich die Planung erweitert.

Die ersten Befragungen auf der Straße – durchgeführt von zwei Arbeitsgruppen – waren recht erfolgreich. Der Rest der Klasse stellte Überlegungen an, wie das Projekt präsentiert werden soll. Mönchengladbacher Landespolitiker sollen eingeladen werden und natürlich die Medien.