9. Eine-Welt-Filmpreis NRW

Am 10. November 2017 fand im Filmforum im Museum Ludwig in Köln die Verleihung des Eine-Welt-Filmpreises NRW statt. Zum 9. Mal verleiht eine unabhängige Jury im Rahmen des Fernsehworkshops Entwicklungspolitik den Eine-Welt-Filmpreis NRW.

Etwa 150 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil. Foto: ©Inga Geiser

Eingereicht wurden 125 Filme, aus denen eine Vorjury 25 Filme für die Sichtungsveranstaltung im Frühjahr in Frankfurt herausfilterte. Dort sichtete die Jury, bestehend aus Ascan Breuer, Filmemacher Wien; Christian Frevel, Adveniat Essen; Matthias Fetzer, Filmhaus Nürnberg; Margrit Schreiber, ZDF/3sat Mainz und Sabine Schröder, Ev. Medienzentrale Kassel die Filme und entschied sich für die diesjährigen Preisträger und Empfehlungen.

Moderation: Anne Schulz, Referentin Gustav-Stresemann-Institut

Einladungsflyer Eine-Welt-Filmpreis NRW
Unterstützerkarte mit 32 Organisationen

Informationen für die Presse finden Sie hier

Begrüßung und Keynote

Für den Fernsehworkshop Entwicklungspolitik begrüßte Joachim Ziefle die Gäste. Er verwies auf die lange Geschichte der Arbeitsgemeinschaft: Bereits seit 1972 werden regelmäßig aktuelle Film- und Fernsehproduktionen zu entwicklungspolitischen Themen vorgestellt und in Veranstaltungen sowie Seminaren die aktuellen Debatten um Medienpräsenz von Nord-Südthemen zur Diskussion gestellt.

In seiner Keynote beschäftigte sich Karsten Visarius, Leiter des Filmkulturellen Zentrums der EKD im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) mit den filmischen Realitäten und die Wirkung der Bilder des entwicklungspolitischen Films.

 

Minister Stephan Holthoff-Pförtner hielt eine beeindruckende Rede Foto: ©Inga Geiser

 

Stephan Holthoff-Pförtner, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen, der in seiner Rede viele von uns doch überraschte. Er beschrieb, wie er durch die Filme aufgerüttelt wurde und machte sich Gedanken über unsere Gleichgültigkeit.

„Der Eine-Welt-Filmpreis ist inzwischen ein filmpolitisches Markenzeichen in der entwicklungspolitischen Medien- und Bildungslandschaft. Die preisgekrönten Filme appellieren an unsere Verantwortung. Sie helfen uns zu verstehen, wie wichtig gezielte entwicklungspolitische Arbeit und Unterstützung sind. Diese Filme kann niemand sehen, ohne anschließend seine Einstellung zu überprüfen.“


Organisation:

Büro für Kultur- und Medienprojekte gGmbH – Bettina Kocher

Aktion Weißes Friedensband e.V. – Günter Haverkamp

Melanchthon-Akademie – Joachim Ziefle

 

Auch in diesem Jahr trug GEPA wieder – wie seit 16 Jahren –  zum Gelingen der Veranstaltung bei: Die kleinen Täfelchen fair gehandelte Schokolade sind gut angenommen worden und der FAIRE HANDEL ist nun einmal ein wichtiges Instrument gegen viele der Probleme, von denen die entwicklungspolitischen Filme handeln.

Die Fingerfood wurde diesmal von den somalischen Frauen der Beratungsstelle stop mutilation e.V. in Düsseldorf hergestellt. Das Essen fand reißenden Absatz und wurder allerseits gelobt.

Zahlreiche Organisationen unterstützten den 9. Eine-Welt-Filmpreis NRW mit ihrem Logo. Auch sie wollten damit darauf aufmerksam, wie wichtig entwicklungspolitische Filme für die Bildungsarbeit sind.

Die Preisverleihung


3. Preis:

#MyEscape, Deutschland 2016, 90 Min.

Regie: Elke Sasse
Buch: Elke Sasse
Kamera: Oliver Gurr, Fariba Nilchian u.a.
Ton: Marcus Zahn, Cornelius Rapp
Musik: Marcus Zahn
Schnitt: Janine Dauterich
Fernsehsender/Produktion: WDR, Red. Jutta Krug, Deutsche Welle, Red. Hanne Kehrwald, berlin producers film GmbH & Co.KG

Biografie Elke Sasse

Minister Stephan Holthoff-Pörtner, Rahmat Haidari und Jutta Krug Foto: ©Inga Geiser

Flüchtlinge haben Stationen ihrer Flucht aus Syrien, Afghanistan und Eritrea festgehalten. Der Film macht daraus eine spannende Erzählung, vervollständigt durch ausführliche Interviews. So entsteht ein eindrückliches Bild aus nächster Nähe, von Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen.

Den Preis nahmen Jutta Krug, WDR Redaktion Dokumentarfilm und der Filmemacher Rahmat Haidari  entgegen. Er war zusammen mit seinem kleinen Neffen aus Afghanistan, wo er für einen Fernsehsender gearbeitet hat, geflohen und hatte die Stationen seiner Flucht aufgezeichnet.

Minister Stephan Holthoff-Pförtner ging in bewegenden Worten auf die Stationen dieses Filmes ein, der uns eindringlich Bilder vermittelt, wie wir sie brauchen, damit wir die Menschen hinter den Zahlen erkennen können.

Begründung der Jury und weitere Informationen – hier


2. Preis: 

Mirr – Das Feld, Schweiz 2016, 91 Min.

Regie: Mehdi Sahebi
Buch: Mehdi Sahebi
Kamera: Mehdi Sahebi
Schnitt: Mehdi Sahebi, Aya Domenig
Fernsehsender/Produktion: Cinéma Copain

Biografie Mehdi Sahebi

Mehdi Sahebi und Minister Stephan Holthoff-Pförtner Foto: ©Inga Geiser

Landraub in Kambodscha. Eine Familie wird von ihrem letzten Feld vertrieben. Damit stellt sich die existentielle Frage, wovon sie künftig leben sollen. Aber sie gibt die Hoffnung nicht auf und macht sich auf die Suche nach einem freien Feld.

Minister Holthoff-Pförtner: „Der Landesregierung ist es ein großes Anliegen, die entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit zu fördern, denn das Bewusstsein und das Wissen über das, was in unserer Welt vor sich geht, ist die Voraussetzung, um etwas für die betroffenen Menschen in den jeweiligen Ländern zu verändern.“

Begründung der Jury und weitere Informationen – hier


1. Preis: 

Das Grüne Gold – (Dead Donkeys Fear No Hyenas) – Schweden, Finland, Deutschland 2017, 90 Min.

Regie: Joakim Demmer
Buch: Joakim Demmer
Kamera: Ute Freund, Joakim Demmer, Zeb Davidson
Musik: Matthias Trippner
Schnitt: Stefan Sundölf, Frank Brummund
Fernsehsender/Produktion: RBB, Red. Dagmar Mielke, Ma.ja.de.Filmproduktions GmbH, Gottschedstr. 18, 04109 Leipzig, Tel. 0341-9839696, leipzig@majade.de Verleih: Neue Visionen Filmverleih, Schliemannstr. 5, 10437 Berlin, Tel. 030-44008844, info@neuevisionen.de

Biografie Joakim Demmer

Joakim Stemmer und Minister Stephan Holthoff-Pförtner Foto: ©Inga Geiser

In Äthiopien, das von Hungersnot betroffen ist, verpachtet die Regierung Millionen Hektar scheinbar ungenutzten Landes an ausländische Investoren, in der Hoffnung auf Exporteinnahmen. Aber der Traum vom Wohlstand hat eine Schattenseite – die größte Zwangsvertreibung in der heutigen Zeit, eine bösartige Spirale der Gewalt.

Begründung der Jury und weitere Informationen – hier

Empfehlungen für die Bildungsarbeit


Arlette – Mut ist ein Muskel von Florian Hoffmann, Deutschland, Schweiz 2015, 53 Min.

Regie: Florian Hoffmann
Buch: Florian Hoffmann
Kamera: Katharina Diessner, Mathilda Mester
Ton: Gian Suhner
Musik: Martina Colli
Schnitt: Sven Kulik
Fernsehsender/Produktion: SRF 3sat, Red. Urs Augstburger, Rajan Autze, PS Film GmbH

Eine Reise von Afrika nach Berlin wird unverhofft zu einer Reise von der Kindheit ins Erwachsenenleben. Arlette, ein kriegsversehrtes 15-jähriges Mädchen aus der Zentralafrikanischen Republik, wird in Berlin durch eine Knie-Operation von jahrelangen Schmerzen befreit. Mit der Veränderung des Körpers entwickelt sich auch ihr inneres Wesen: plötzlich stürzt sie in die Pubertät. Doch dann entflammt in ihrer Heimat erneut der Krieg. Arlette muss erwachsen werden und die Entscheidung über ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Eine filmische Langzeitbeobachtung, die konsequent aus der Perspektive einer jungen Zentralafrikanerin erzählt ist. Für den Zuschauer eröffnet sich durch Arlettes Augen ein unverstellter Blick auf unser alltägliches Leben.

 

Kontakt: Florian Hoffmann, Graefestr. 71, 10967 Berlin, Tel. 0163-4543490, e-mail: florianhoffmann@gmx.de


Ebola – das Virus überleben von Carl Gierstorfer, Deutschland 2015, 52 Min.

Regie: Carl Gierstorfer
Buch: Carl Gierstorfer
Kamera: Carl Gierstorfer
Ton: Laura Salm-Reifferscheidt
Musik: Olafur Arnals
Schnitt: Marcel Ozan Riedel
Fernsehsender/Produktion: SWR Arte, Red. Bernd Seidl, DOCDAYS Productions GmbH

 

Der Film dokumentiert die tiefgreifenden gesellschaftlichen Folgen des Ebola-Ausbruchs in Liberia. Erzählt wird unter anderem die Geschichte von Stanley Juah, einem Familienvater, der Ebola in sein Dorf brachte und nun für den Tod von 14 Menschen verantwortlich gemacht wird. Stanleys letzte Hoffnung liegt auf einem Pastor, der versucht, für ihn Vergebung bei der Dorfgemeinschaft zu erbitten. Die Ambulanzkrankenschwester Mabel Musa beobachtet voller Sorge, wie ihr Land an der Epidemie zu zerbrechen droht. Aber sie erkennt auch, wie die Epidemie überwunden werden und die Gesellschaft wieder Vertrauen fassen kann. In der Krise sind es zuallererst die Einheimischen, die die wichtige Arbeit im ländlichen, schwerzugänglichen Liberia leisten. Der Film zeigt liberianische Krankenschwestern, die monatelang in Doppelschichten arbeiten, Menschen, die alles verloren haben und dennoch bereit sind, zu vergeben. Studierende, die freiwillig im Kampf gegen die Seuche mithelfen. So werden nicht nur die Mechanismen beschrieben, die für einen schnellen Sieg gegen Ebola nötig sind, sondern auch, was die Epidemie den Menschen abverlangt. Kein Kampf gegen eine Seuche ist denkbar, ohne die, die sie bekämpfen.

Kontakt: DOCDAYS Productions GmbH, Choriner Str. 42, 10435 Berlin, Tel. 030-4737793-13
e-mail: ab@docdays.de


Seeblind – Der wahre Preis der Frachtschifffahrt von Denis Delestrac, Frankreich, 2015, 52 Min.

Regie: Denis Delestrac
Buch: Denis Delestrac
Kamera: Jordi Esgleas
Musik: Ian Briton, Rod Boyd
Schnitt: Dragomir Bajalica, Jean de Garrigues, Ibon Olaskoaga
Fernsehsender/Produktion: Polar Star Films in Koprdouktion mit Le Compagnie des Taxi Brousse, SRF Dok, Red. Evelyn Wildbolz

 

Etwa 90 Prozent aller heute in der westlichen Welt konsumierten Produkte kommen aus Übersee. Ob Jeans, Computer oder Lippenstifte, sie haben oft eine Schifffahrt um den ganzen Globus hinter sich. Und dennoch sind sie billiger als Produkte, die hierzulande hergestellt werden. Die Frage ist: Wer zahlt den Preis? Heute werden jedes Jahr etwa 18 Millionen Container auf den Schifffahrtsrouten der Welt befördert. Das ist eine so gigantische Fracht, dass sie nicht mehr wirklich zu kontrollieren ist. Waffen, Drogen, Menschenhandel. Die Zollbehörden können das wahre Ausmaß nur anhand von Stichproben erahnen. Der Film beleuchtet die Funktionsweise und die Gefahren des weltweiten Frachtschiffgeschäfts und zeigt, dass unsere Wirtschaft, unsere Umwelt und unser ganzer Gesellschaftsentwurf von dieser Branche komplett abhängig geworden sind.

 

Kontakt: Nichtgewerbliche Rechte: éducation 21 | Filme für Eine Welt, Monbijoustr. 31, CH-3001 Bern, Tel +4131 321 00 30, e-mail: film@education21.ch

Weitere Bilder der Veranstaltung

 

Der Eine Welt Filmpreis NRW wird seit 2001 durch die Landesregierung NRW vergeben. Die Geschichte des Eine Welt Filmpreises finden Sie hier.