| Ehemalige
Kindersoldaten im Kongo |
| Achim Koch, Mitarbeiter eines gtz-Projektes
für ehemalige Kindersoldaten berichtet aus der Stadt
Kindu im Osten des Landes von seinen Schützlingen
Flori, Wedi und Shoko: |
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von links: Wedi, Avion, Flori, Shoko
Foto: Achim Koch, gtz |
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| Flori |
Wenn Flori vom Krieg erzählt, dann
spricht er leise und lächelt ständig. Er ist
unsicher, ob er über alles reden soll. Flori hat
große, sanfte Augen, die gar nicht zu seiner Geschichte
passen, denn ihm wurde von den Rebellen der Kriegername
Kivundubele gegeben, der Brutale.
Mit zwölf Jahren wurde er Kämpfer bei den Rebellen
im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Sie gaben
ihm eine Waffe und zwangen ihn, Menschen zu verletzen
und zu töten. Aus Angst gehorchte Flori ihren Befehlen.
Nach zwei Jahren konnte er gemeinsam mit seinem Freund
Shoko fliehen. |
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| Wedi |
Wegen all der Dinge im Krieg hat er
kein schlechtes Gewissen, sagt Wedi. Er lacht zum ersten
Mal in diesem Gespräch. Sonst ist sein Blick ernst.
Er habe nur sich selbst beschützt und seine Familie.
Etwas später fügt er hinzu, er habe ja auch
sein Land verteidigt. Dann schiebt er beide Hosenbeine
hoch und zeigt breite Narben auf den Beinen. Mit scharfen
Messern hatten Mayi-Mayi-Kämpfer seine Oberschenkel
aufgeschnitten. |
| Im Jahr 2000 war Wedi zehn Jahre alt. Er
wohnte mit seinen Eltern und seinem Bruder in einem Dorf
nahe Kindu. Eines Tages kamen Rebellen in das Dorf, verhörten
und folterten die ganze Familie und erschossen den Vater
vor den Augen seiner Kinder. Wedi wurde von ihnen verschleppt.
Weil er noch zu klein für ein Maschinengewehr war,
wurde er an Pfeil und Bogen ausgebildet. Für den
Kampf musste er die Pfeile in ein Gift tauchen, das den
Getroffenen innerhalb von fünf Minuten tötete.
Immer wieder musste Wedi an vordester Front kämpfen.
Erst nach zwei Jahren konnte er von den Rebellen fliehen
und schlug sich zu der Familie eines Onkels in Kindu durch. |
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| Shoko |
| Shoko wurde wie Flori von den Rebellengruppen
der Mayi-Mayi-Kämpfer gefangen genommen. Als er sich
zu wehren versuchte, schlugen sie ihm mit einem dicken
Ast so stark auf den Hinterkopf, dass er eine 15 cm lange
Platzwunde davon trug. Shoko war damals erst 11. Noch
Jahre später plagten ihn Kopfschmerzen. Er wehrte
sich nicht mehr und musste wie Flori für die Rebellen
kämpfen. Nach zwei Jahren floh er mit Flori nach
Kindu. |
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Source de Vie -
Quelle des Lebens |
Heute werden Flori und seine Freunde
in einem Projekt für ehemalige Kindersoldaten betreut.
Gemeinsam mit anderen gründeten sie einen kleinen
Verein “Source de Vie - Quelle des Lebens”,
um sich gegen Gewalt einzusetzen.
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Flori vor dem Restaurant
Foto: Achim Koch, gtz |
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In Theaterstücken verarbeiten sie
die eigenen grausamen Erlebnisse und rufen ihre Mitmenschen
auf, Konflikte friedlich zu lösen. Das ist Flori
besonders wichtig: "Man muss eine Form finden, wie
man diese Konflikte untereinander schlichtet", sagt
er.
Einmal in der Woche verkaufen Flori und seine Freunde
selbstgekochtes Essen. Ihr Ziel ist es, ein eigenes Restaurant
zu eröffnen, um mit dem Erlös anderen Kindern
helfen zu können. |
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| Das Interview |
| Flori und seine Freunde antworteten auf
eure Fragen: |
| Warum setzt
ihr euch für andere Kinder ein? |
| Ich weiß, wie es ist, wenn es
einem schlecht geht. Viele Kinder haben kein Geld und
nicht mal Kleidung, um in die Schule zu gehen. Wir finden
es richtig, dass wir dann versuchen zu helfen. Das ist
irgendwie unsere Verantwortung. |
| Wie kann man ehemaligen Kindersoldaten
in euren Augen am besten helfen? |
| Wenn ihr helfen wollt, dann schickt
her, was ihr nicht mehr braucht. Wir brauchen zum Beispiel
Kleidung, damit die Kinder überhaupt in die Schule
gehen können. Ihr könnt euch das vielleicht
nicht vorstellen. Aber wenn man nicht mal eine Hose oder
ein einziges Kleid hat, dann geht man nicht in die Schule.
Da bleibt man gleich zuhause. Viele ehemalige Kindersoldaten
wollen aber in die Schule gehen. Sie haben keine Hefte
und nicht mal einen Kugelschreiber. Sie haben auch kein
Geld, um das Schulgeld zu bezahlen. Man muss im Monat
ungefähr vier Dollar an die Schule und an die Lehrer
zahlen. Das sind in Eurem Geld drei Euro. Das fehlt den
meisten ehemaligen Kindersoldaten. |
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Die Eröffnung des Restaurants
Foto: Achim Koch, gtz |
| Wie können
Kinder in Deutschland helfen? |
| Das habe ich eigentlich schon beantwortet.
Wir hier haben uns zusammengeschlossen zu einer Gruppe,
die anderen hilft. Wir heißen SOURCE DE VIE -
also LEBENSQUELLE. Wir spielen Theater und sprechen dabei
über unsere Probleme wie: Kein Schulgeld, Hygiene,
Krankheiten, Krieg, kein Wasser zum Trinken usw. Wir bauen
kleine Brücken, wo es keine gibt, und sammeln Geld
für diejenigen, die es dringend brauchen. Wenn ihr
was habt, was ihr nicht braucht, schickt es uns. Ihr könnt
es an die Deutschen von der GTZ schicken, die in Kindu
arbeiten. Die geben es dann an uns weiter, und wir verteilen
die Sachen. |
| Wie kann man
Krieg verhindern? |
| Wissen wir nicht so genau. Aber eins
ist klar: zum Krieg braucht man Menschen, die Soldaten
sind, und hier braucht man vor allem Kinder und am besten
die, die schon mal Soldaten waren. Wenn man das also verhindern
will, dann müssen die Kinder in die Schule gehen
und etwas lernen, und sie müssen einen Beruf lernen.
Keiner, der in seinem Beruf ein bisschen Geld verdient,
will Soldat werden. Darum kann man einen Krieg auch dadurch
verhindern, dass alle einen ganz anderen Beruf als Soldat
haben. |
| Was möchtet
ihr später einmal werden? |
| Mein Freund Wedi will Pilot werden,
und Shoko will Mechaniker werden. Ich möchte lernen
mit Computern umzugehen. Ich weiß nicht, wie das
geht. Aber alles mit Computern interessiert mich. Auch
die neuen Digitalkameras und all das andere. |
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