2006 Zwei Wochen gegen sexualisierte Gewalt

2006 hatten wir uns in Workshops mit mehreren Klassen der Realschule Kerpen intensiv mit dem Thema Kinderprostitution beschäftigt. Was zunächst für die SchülerInnen ganz weit weg war, rückte im Verlauf der Stunden immer näher.

Als sie in Recherchen herausfanden, dass auch in Deutschland Kinderprostitution ein großes Problem ist, dass auch sie jederzeit Zielscheibe von Loverboys oder zynischen Erpressungsattacken werden können, waren sie bereit für das Thema sexualisierte Gewalt.

Wir näherten uns zunächst von den Kinderrechten. Zwei Wochen lang hingen am Schuleingang große Tücher, auf denen 10 Kinderrechte geschrieben waren, die bei sexualisierter Gewalt verletzt werden.

An jedem dieser Tage standen SchülerInnen vor dem Eingang und verteilten selbstgemachte Flyer, auf denen das Kinderrecht und eine Geschichte stand, die die Verletzung und die Auswirkungen verdeutlichte. Unicef und andere halfen uns dabei, entsprechende Fotos zu finden.

Die 700 Schülerinnen konnten ihr NEIN auf unseren Mauersteinen schreiben, die auf großen Papierbahnen geklebt wurden und ein großes NEIN ergaben. Die SchülerInnen führten die Aktion in großer Ernsthaftigkeit durch. Die viele Gespräche der vergangenen zwei Wochen setzten sich auch hier vor.

Eine Klasse hatte auf großen Tüchern Täter- und Opferprofile geschrieben, die ein Labyrint ergaben. Alle SchülerInnnen, die an der Aktion teilnehmen wollten, mussten durch diese Ausstellung gehen. Auch hier wurde viel diskuitiert.

Nach diesen zwei Wochen war auf allen Gängen und in allen Klassen die Diskussion über das Thema entfacht. Am Freitagnachmittag luden wir daher zu einer großen Veranstaltung.

Aus Düsseldorf holten wir einen richtig guten Moderator für die Gestaltung des Tages einen sehr guten Theaterpädagogen und die Musikband der Schule hatte intensiv geübt.

 

Kinderprostitutions-Rap

Zwei Schüler aus der der Aktivgruppe „Amigos unidos“ hatten zusammen mit ihren Freunden einen Rap geschrieben, der uns alle beeindruckte. Die ganze Aktivgruppe hatte lange geprobt, im Musikunterricht die Musik dazu geschrieben und haben einen perfekten Rap hingelegt – glänzend auch vorgetragen von einer Schülerin  Alle waren sehr beeindruckt.

Pädophile laden sich Filme aus dem Netz/
darauf sieht man kleine Mädchen beim Sex.
Wer kann mir sagen, wer zum Opfer fällt/
und warum wird so oft das Verfahren eingestellt?
Manche Mädchen begehen sogar Selbstmord/
sie hoffen, es geht besser an ’nem anderen Ort.
Die meisten von ihnen haben ’ne psychische Störung.
Das fordert von uns allen wirklich echte Empörung.
Plötzlich infizier’n sie sich mit Aids und sonst was/
nehmen Drogen, kacken ab, das ist doch echt krass.

Refrain:

Ein erzwungener Liebesakt
danach fühlst du dich dreckig und nackt.
Du stehst an der Straße mit gesenktem Gesicht
und siehst die Welt im dunklen Licht.

Bitte Leute fangt an – in die Gänge kommt,
damit jede von ihnen eine Hoffnung bekommt.
Fangt sofort an zu protestieren/
wir dürfen diesen Kampf auf keinen Fall verlieren.
Ihr Schicksal liegt auch in unserer Hand/
wenn’s sein muss, spray ich es an jede Wand.
Ich allein bin jemand, auf den keiner hört/
doch halten wir zusammen wird das Verbrechen zerstört.
Ich hoffe dieser Text hat euch zum Nachdenken gebracht/
und ich hoffe: Da draußen wird jetzt auch was gemacht.

Refrain…

Ich versteh die Welt nicht mehr,
viele Mädchen werden gezwungen zum Geschlechtsverkehr.
Man hat ihnen die ganze Kindheit geraubt,
denn ein Perverser hat ihnen das Leben versaut.
Woll’n sie es? Sie wurd’n von keinem gefragt,
niemand hat ihnen was darüber gesagt.
Sie leben in Armut, Angst und Not
von ihren Zuhältern bekommen sie nur Wasser und Brot.
Ich habe 2 Mädchen auf der Straße geseh’n,
Sie sahen schrecklich aus, ich wusste sie haben dies Problem!

Refrain…

Deutschland mach endlich die Augen auf/
kleine Mädchen werden da draußen in der Welt missbraucht.
Sie leben ohne Eltern und ohne Heimat/
das, was ich hier sag, ist die pure Wahrheit.
Deutschland, was ist bloß los mit dir?/
Wartest du darauf, bis die Kinder krepieren?
Die meisten von ihnen sind so 9 und 10/
noch mit 8 hatten sie ein schönes Leben.
Deutschland das ist doch nicht mehr normal/
warum tut keiner was, ist `s euch allen egal?

Refrain…

 

 

 

Zum Schluss bekam Schulleiter Wurthmann die Fahne der Solidarität von FRIEDENSBAND verliehen, eine besondere Auszeichnung, die vorher noch keine Schule erhalten hatte. Diese Auszeichnung hat die Schule nicht nur verdient, weil sie so mutig das Thema sexualisierte Gewalt zugelassen hat. Es ist auch für die Unterstützung der vielen Aktionen, die wir 2005 durchführen konnten: Die Aktion Rote Hand im Februar und dann im September auf dem Papsthügel und dann die ebenfalls bundesweit beachtete große Aktion zum Weltaidstag, an der sich dank Unterstützung auch von Schulleiter Wurthmann alle fünf Schulen in Kerpen beteiligten.

 

 

 

 

 

Drei der 10 Flyer mit Geschichten, die wir für jeden Tag in den zwei Wochen erarbeitet haben.