Solidarität mit Susanne Osthoff

Susanne Osthoff wurde am 25. November 2005 im Irak entführt. Sehr früh schlich sich ein negativer Zungenschlag in die Berichterstattung. Während in Frankreich 100.000 Menschen für die zeitgleich entführteBundespressekonferenzn Franzosen auf die Straße gingen, hüllte sich die deutsche Gesellschaft in Schweigen. Keine Solidarität, weit und breit.

Im FRIEDENSBAND-Team beschlossen wir, zu recherchieren. Der Anruf bei Action Medeor

 

Weil Susanne Osthoff für action medior im Irak Medikamente in gefährlichen Situationen transportiert und damit mitten im Krieg Kinder gerettet hat, fragten wir dort an, ob irgendeine Aktion für Susanne Osthoff geplant war. NICHTS. Also entwarfen wir eine Kampagne, die dann am 9. Dezember gemeinsam von action medeor und FRIEDENSBAND bundesweit ausgerufen wurde.

Mehr als 20.000 Menschen haben den Appell innerhalb weniger Tage unterzeichnet. Auch Marius Müller-Westernhagen, Boris Becker, Robert Atzorn, Anke Engelke und viele andere Prominente haben unseren Aufruf unterstützt.

Gleichzeitig sorgten wir mit der Bundespressekonferenz Aufruf Brief an Bundeskanzlerin Brief an den Bundespräsidenten Bundespressekonferenz RundschauBundespressekonferenz am 14.12. in Berlin für eine breite Medienöffentlichkeit. Im Mittelpunkt des Interesses stand Anja Osthoff, die Schwester der Entführten.

Beeindruckend waren auch die Mahnwachen in ganz Deutschland. In Berlin hatte die Türkische Gemeinde für den 14.12. am Brandenburger Tor eingeladen. Es sprachen Anja Osthoff, Vertreter der türkischen Gemeinde und Katrin Göring-Eckardt, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

Aber auch die kleinen Kundgebungen waren beeindruckend, wie hier in Sindorf, organisiert von der Aktivgruppe FAIR FRIENDS. Bei aller Anteilnahme am Schicksal von Susanne Osthoff wurde immer wieder in den Gesprächen an die anderen Geiseln gedacht, die wir nicht kennen. Alle waren sich einig, dass die Solidarität mit Susanne Osthoff auch ein Zeichen ist an diejenigen, die im Irak die Konflikte schüren: Wir wollen, dass Konflikte friedlich gelöst werden!

Besonders hat uns die Begeisterung der Jugendlichen berührt. Wo die Erwachsenen noch nachfragten, ob Susanne Osthoff sich selbst gefährdet habe oder ob sie eine gute Mutter ist, übten sie ohne Nachfragen Solidarität. Sie können noch mit der Unbeirrbarkeit der Jugend ihr Herz für jemanden öffnen und sind damit Vorbild für die Erwachsenen.

Als Erwachsene lästerten: “Für die Schlampe setzt ihr euch ein?” Antworteten sie “Solidarität ist nicht teilbar!” – und setzten ihre Sammlung unbeirrt fort. So mancher Erwachsene kam da ins Grübeln!

So wie hier in Kerpen (Städtische Realschule) sah es auf vielen Schulhöfen in Deutschland aus. Tische mit Unterschriftenlisten wurden aufgebaut und mit großer Selbstverständlichkeit wurde unterschrieben. Die Kerpener Schülerinnen und Schüler sammelten mehr als 1.700 Unterschriften!

Schulen, Firmen und Familien im ganzen Bundesgebiet sandten noch Tage nach Susanne Osthoffs Freilassung Unterschriftenlisten mit bewegenden, sehr persönlichen Kommentaren.

Es war das schönste Weihnachtsgeschenk zum 4. Advent, das wir uns vorstellen konnten: Am 18. Dezember erreichte uns die Nachricht, dass Susanne Osthoff frei ist.

http://www.stern.de/politik/deutschland/mahnwache-fuer-susanne-osthoff–bitte-zeigen-sie-ihr-mitgefuehl–3499984.html