Reisebüroaktion gegen Kinderprostitution in Kerpen

Die Zahlen sind erschreckend, weltweit werden nach der neusten Studie über Gewalt gegen Kinder, die die Vereinten Nationen veröffentlichte, 1,8 Mio. Jungen und Mädchen zur Prostitution und zur Pornographie gezwungen. Weitere 1,2 Mio. Kinder werden Opfer von Menschenhandel und wie Ware verkauft. Sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen gehört zu den schlimmsten Gewaltverbrechen die von Erwachsenen an Kindern verübt werden. Und jährlich fliegen schätzungsweise 200.000 deutsche Touristen in Tourismusländer und beteiligen sich an der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen.

Die Klasse 8c der Realschule Kerpen setzte sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Thematik auseinander. Mitarbeiterinnen von FRIEDENSBAND informierten über die Problematik und erarbeiteten mit den Schülerinnen und Schüler die Ursachen der Kinderrechtsverletzung. Im Anschluss an die Bildungseinheit entschloss sich die Klasse Engagement in dem Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern in Urlaubsländern zu zeigen.

Mit der ersten Reisebüroaktion, die am 15.03.2008 stattfand, informierten die Schülerinnen und Schüler Reiseunternehmen in Sindorf und Kerpen über das Ausmaß von Kinderprostitution weltweit. Sie verteilten ihr eigenen Flyer und Informationsmaterial der Initiative ECPAT an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und baten diese darum, die Informationen an Kunden weiterzuleiten.

Am 12.Juni 2008 haben die Schülerinnen und Schüler der Realschule Kerpen nochmal nachgehakt. Sie wollen wissen, was aus der ersten Aktion geworden ist und wie sich die Reiseunternehmen in ihrer Umgebung eingesetzt haben. „Wir gehen in Reisebüros und dort werden wir bei den Geschäftsführern nachfragen, ob sie ihre Kunden über die Problematik informiert haben, weil es Kinderprostitution in relativ vielen Urlaubsländern gibt,“ erklärt der 15jährige Micky.

Auch sein Mitschüler Alex zeigt sich engagiert: “Ich finde es schlimm, dass Kinder in unserem Alter sexuell missbraucht werden und deswegen möchte ich mich heute dagegen wehren. Es ist besonders wichtig, Kunden über die Problematik zu informieren, damit sie wissen was sie tun können, wenn sie den Missbrauch an Kindern beobachten, damit dieses Verbrechen nicht mehr so häufig vorkommt.“

Die Reaktionen sind positiv: „Das Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Reiseunternehmen ist groß, viele haben sich bereit erklärt an einer Mitarbeiterschulung von ECPAT teilzunehmen um die Kunden noch besser informieren zu können“ berichten Sarina und Michelle begeistert.
Ein Reiseunternehmen zeigte besonderes Engagement: „Heutzutage läuft alles über das Internet. Deshalb hat unser Reiseunternehmen die Flyer eingescannt und schickt diese den Kunden als Information zu,“ erklärt der Geschäftsführer den Jugendlichen.

Getragen und unterstützt wurde die Aktion von der Klassenlehrerin Bettina Bucher: „Ich finde es immer wichtig sich für Kinderrechte einzusetzen und ich habe in der Schule gemerkt, dass es die Jugendlichen anspricht, sich für andere Kinder wirklich einzusetzen. Es macht den Jugendlichen großen Spaß diese Aktionen gemeinsam zu planen, dadurch wird auch die Klassengemeinschaft gestärkt und die Jugendlichen lernen im Team zusammen zu arbeiten.“

Eine wirklich gelungene Aktion. Zum Abschluss zeichneten die Jugendlichen die Reiseunternehmen mit einer selbstgestalteten Urkunde aus, in der sie das soziale Engagement loben.