Brexit: Alt überstimmt Jung

Generationenkonflikt: Die Älteren haben im Brexit-Referendum über die Zukunft der Jungen bestimmt. (Foto: Bloomberg)
Drei von vier Briten zwischen 18 und 24 Jahren sahen ihre Zukunft in der EU. Daraus wird nun nichts – die Älteren haben die Wahl entschieden.

Die Demokratie, zumal in ihrer radikalsten Form, dem Ja-oder-Nein-Referendum, kann es nicht allen recht machen. Sie wird immer Enttäuschte zurücklassen, die im Wortsinne überstimmt wurden und sich dem Willen der Mehrheit beugen müssen: Regionen, Berufsgruppen, Parteien, Generationen. Gerade die Briten haben sich daran gewöhnt, ihr Mehrheitswahlrecht schlägt dem Sieger alles zu. Der Verlierer muss sehen, wo er bleibt.

Das Brexit-Referendum hat nun aber ein Ergebnis hervorgebracht, das über die normalen Härten des demokratischen Mehrheitsprinzips hinausgeht. Hätten nur die unter 50-Jährigen abgestimmt, wäre Großbritannien in der EU geblieben. Unter den 18- bis 24-Jährigen haben sich am Donnerstag 75 Prozent dafür ausgesprochen, in der EU zu bleiben. Drei von vier jungen Briten hätten sich eine Zukunft in der Staatengemeinschaft gewünscht. Ein klares Votum, eine überwältigende Mehrheit.

Überstimmt wurden sie vor allem von den Älteren: Briten jenseits der 50 haben sich mehrheitlich für einen Brexit entschieden, bei den über 65-Jährigen sind es 61 Prozent. Sie haben das Land aus der Union geführt, wohl auch in dem Wunsch, die große britische Vergangenheit aufleben zu lassen. Die Älteren haben somit über die Zukunft der Jungen bestimmt – ein Phänomen, das in allen überalterten Gesellschaften zum Problem werden kann.

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