8. Eine-Welt-Filmpreis NRW 2015

Etwa 250 Filminteressierte nahmen am 11. September 2015 an der Preisverleihung im Filmforum im Museum Ludwig Köln teil. Sie genossen einen interessanten Abend mit spannenden Themen – sowohl in Word- als auch in Filmbeiträgen. 

In ihrem Grußwort betonte Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren die Tradition, die der Eine-Welt-Filmpreis NRW inzwischen vorweisen kann. “Der Preis hat also nicht nur für Kölner Maßstäbe eine gewisse Tradition und ist aus der entwicklungspolitischen Medien – und Bildungslandschaft in Nordrhein-Westfalen nicht mehr wegzudenken!”

Die Keynote von Prof. Dr. Sabine Rollberg, Kunsthochschule für Medien Köln rüttelte auf. Unter der Überschrift „Filme als Brücken“ machte sie ihre Abrechnung mit dem Fernsehen. “Zunehmend begegnen wir einem Journalismus, der nur noch an der Oberfläche kratzt und nicht den Anspruch und die Zeit und das Buget hat, mit Sorgfalt die Themen zu bearbeiten.” Nachlesen

Die Spots die Studierenden der Hochschule Macromedia in Köln zum Thema Menschenrechte für Adveniat drehten, waren teilweise sehr schockierend.

Nach der jeweiligen Begründung durch die Jury verlieh die Ministerin die Preise und zeigte im Gespräch mit den Preisträgerinnen und Preisträgern, wie intensiv sie sich mit den Filmen beschäftigt hatte. 

Durch den Abend führte Mirco Keilberth, Journalist und Afrika-Korrespondent, der sich in seiner Arbeit intensiv mit dem Thema Flucht beschäftigt und dies an diesem Abend, an dem wieder viele hundert Flüchtlinge in NRW eintrafen, einbrachte.

 

Um 21 Uhr, nach der Preisverleihung, wurde der Preisträger „Jakarta Disorder“ gezeigt und es kam zu einem spannenden Gespräch mit den Filmemachern.

Die Preisträger:

1. Preis: Jakarta Disorder von Ascan Breuer und Victor Jaschke Österreich 2013, 87 Min.

Zwei starke Frauen organisieren den Widerstand der Bewohner in den Elendsvierteln der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Durch den Abriss ihres Wohnraums soll Platz für teure Immobilien geschaffen werden. Oma Dela, die im Slum lebt, und die Intellektuelle Wardah

Hafidz kämpfen um das Recht der armen Bevölkerungsmehrheit auf Teilhabe. Ihr Kampf scheint aussichtslos, doch schaffen es die beiden Frauen mit Hartnäckigkeit und Engagement, eine soziale Bewegung zu initiieren, die erfolgreich Zeichen gegen lokale Gesetzeswillkür setzt. So reflektiert der Film nicht nur die Herausforderungen, vor der die noch junge Demokratie des größten islamischen Landes der Welt steht, sondern beispielhaft auch den Wert und die Bedeutung von Demokratisierungsprozessen weltweit.

2. Preis: Aus meinem syrischen Zimmer von Hazem Alhamwi Frankreich, Libanon, Deutschland 2014, 70 Min.

In seinem Film blickt der Künstlers Hazem Alhamwi auf seine Heimat Syrien, ein Land, in dem die Menschenrechte nicht mehr existieren, und unternimmt eine assoziative Reise durch sein Leben und das seiner Freunde und Verwandten. Dabei zeigt er, wie das künstlerische Schaffen es ihnen ermöglichte, ihre Angst zu kanalisieren und der Diktatur entgegen zu treten. Lange Zeit war sich Alhamwi sicher, dass die Bürger seines Landes niemals die Kraft finden könnten, sich gegen das Assad-Regime aufzulehnen. Doch dann begann im Jahr 2011 unerwartet der Aufstand. Die Menschen gingen auf die Straße und demonstrierten für ihre Rechte. In seinem filmischen Essay erzählt Hazem Alhamwi vom Verlangen eines ganzen Landes nach Freiheit und appelliert daran, die grundlegendste und oft gefährdetste Ressource des Menschen, seine Würde, wo immer möglich zu verteidigen.

3. Preis: AIDS – Erbe der Kolonialzeit von Carl Gierstorfer Deutschland 2014, 52 Min.

Der Film begleitet Wissenschaftler aus Belgien, den USA und der DR Kongo auf ihrer mehrjährigen Suche nach den Ursprüngen einer der schlimmsten Pandemien der Menschheit: HIV/Aids. Nach Jahrzehnten interdisziplinärer Forschung konnten Wissenschaftler aus Belgien, den USA und dem Kongo die Spuren des HI-Virus bis zu seinen Anfängen zurückverfolgen. Sie begründen den Verdacht, dass die Kolonialherrschaft mit ihrer rücksichtslosen Ausbeutung von Mensch und Natur in Afrika maßgebliche Mitverantwortung an der Verbreitung des Virus hat. Mit Hilfe von Archivmaterial und Grafiken eröffnet der Film eine neue entwicklungspolitische Perspektive auf die Pandemie. Der Film ist ein Plädoyer dafür, beim Kampf gegen Infektionskrankheiten aus der Vergangenheit zu lernen und bei auftretenden Krankheiten der Zukunft früher mit deren Entdeckung und Enttabuisierung zu beginnen.

Ausführliche Informationen zu den ausgezeichneten Filmen finden Sie unter www.fernsehworkshop.de

Die Jury:
Burkhard Althoff, ZDF/Das kleine Fernsehspiel
Lucie Bader, outreach gmbh – Wissenschaftskommunikation und Film, Bern
Thomas Belke, Mediathek für Pastoral und Religionspädagogik, Freiburg
Bettina Borgfeld, Filmemacherin, Berlin
Jürgen Hammelehle, Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst, Berlin

Der Eine-Welt-Filmpreis NRW wird von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen gestiftet.

Die Preisverleihung wird veranstaltet von:

23. Fernsehworkshop Entwicklungspolitik, Büro für Kultur- und Medienprojekte gGmbH, Bettina Kocher, Postfach 500161, 22701 Hamburg, Tel. 040-39900060, info@fernsehworkshop.dewww.fernsehworkshop.de

Aktion Weißes Friedensband e.V., Günter Haverkamp, Himmelgeister Str. 107a, 40225 Düsseldorf, Tel. 0211-7888875, haverkamp@friedensband.de

Melanchthon-Akademie, Joachim Ziefle,  Kartäuserwall 24 b, 50678 Köln, Tel. 0221-93180323, ziefle@melanchthon-akademie.de