Filmprojekt Nahost/Deutschland

22.09.14 Im kaufmännischen Leo-Statz-Berufskolleg Düsseldorf hatten wir uns schon im letzten Jahr am Aktionstag gegen Rassismus beteiligt. Jetzt hatten wir bei Jehan Abushihab im Fach Politik das Thema Nahost gestartet.

Als Palästinenserin musste Jehan Abushihab am eigenen Leib in den letzten Wochen vor dem Start des Projektes den Nahost-Konflikt erleben: Ihre Familie kam im Gazastreifen durch die israelischen Angriffe in Gefahr und musste fliehen. In der Klasse fieberten die Schüler*innen, mit ihr und waren entsprechend eindeutig gegen Israel eingestellt.

Zunächst sahen die SchülerInnen den Film “Kinder der Steine, Kinder der Mauer” von Robert Krieg. Was ist aus den fünf Paläastienserjungen geworden, die er vor 20 Jahren bei der ersten Intifada mit Steinschleuder gesehen hat? In diesem Film wird gezeigt, was aus ihren Träumen geworden ist.

29.9.14 Die Eingangssituation wirkte so, als sei die Haltung der SchülerInnen klar: Die Israelis sind schuld und die Palästinenser sind die Opfer. Auch nach diesen zwei Schulstunden werden die meisten Jugendlichen bei dieser Position geblieben sein und wir haben auch nicht versucht, sie davon abzubringen.

Aber es waren schon spannende Momente, als wir das Wort “Israel” auf der Meinungswand mit “Deutschland” “USA” und andere Länder ersetzt hatten. Da wurde deutlich, dass sich Völker, die sich unter Druck gesetzt fühlen, aggressiv verhalten.

Und auch im persönlichen Bereich konnten solche Verhaltensmuster gefunden werden. Der Workshop wurde gemeinsam mit Itay Ron durchgeführt, der in Israel geboren und in Tel Aviv und Düsseldorf Internationale Beziehungen und Nahost studiert hat. Durch ihn wurde die Diskussion natürlich packender und führte an die tatsächlichen Probleme heran.

 

27.10.14 Vierter Workshop im Leo-Statz-Berufskolleg. Zunächst fragten wir nach, wie weit die SchülerInnen die aktuellen Auseinandersetzungen in Nahost verfolgen. Mit dabei war wieder Itay Ron als israelischer Experte. Nur zwei SchülerInnen hatten etwas gehört.

Wir fragten dann nach den Feindbildern und untersuchten sie mit drei Arbeitsblättern. Schon beim Arbeitsblatt “Angst” wurde deutlich, dass beide Konfliktparteien ihre Gründe für die eigene Aggression aus den Bedrohungen der anderen Seite herleiten.

Beim Arbeitsblatt “Kräfte” ging es um die Parteien, Ideologien, Länder und Interessen, die den Konflikt anheizen oder fördern. Im dritten Arbeitsblatt “Konfliktbearbeitung” fragten wir danach, wer etwas tun könnte zur Beendigung des Konfliktes. Darin war auch gefragt, was wir selbst tun könnten, um nicht immer nur auf die da oben zu schauen.

 

24.11.14 Workshop im Berufskolleg Leo Statz Düsseldorf. Mit viel Energie brachte die Klasse HHU5 heute den Fragenkatalog zu Ende. An Jugendliche und Erwachsene geht die Frage, ob sie sich für den Nahost-Konflikt interessieren. Bei den Jugendlichen überwiegt die Neugierde danach, was sie tun würden, auf wlecher Seite sie stehen und ob sie eher den Konflikt suchen würden, eher zum Nachgeben neigen oder lieber Verhandeln würden. Aber auch die Kinder wollen die SchülerInnen fragen. Da geht es natürlich eher um ganz persönliche Konfliktfragen im Kleinen. In der verbleibenden halben Stunde machen die Jugendlichen ihre ersten Erfahrungen. Eingesetzt wurden wieder die Flip-Kameras von FRIEDENSBAND, mit denen HD-Filme möglich sind. Robert Krieg hat parallel begonnen in der Klasse zu filmen und die einzelne Schüler bei Interviews zu begleiten. Die Erfahrungen und die gesammelten Bilder werden beim nächsten Mal besprochen.

 

1.12.14 Robert Krieg hat die ersten, mit unseren FLIP-Kameras aufgenommenen Umfrageergebnisse zu einem Film zusammengeschnitten. Bei der Präsentation fiel den Jugendlichen in der Klasse HHU5 des Leo-Statz-Berufskollegs Düsseldorf selbst auf, wo etwas besser gemacht werden kann. Es bestand aber auch wieder Diskussionsbedarf, weil eine neutrale Befragung nicht ganz einfach ist. Danach zogen sie wieder los um Interviews zu machen. Einige Gruppen gingen in der Schule in die Klassen, andere befragten Passanten auf der Straße.

 

5.12.14 In der Klasse HHU5 des Leo-Statz-Berufskollegs wurde heute gesprayt und gemalt. Es entstand das Peacezeichen auf Leinwand für die Aktion am Freitag in der Düsseldorfer Altstadt. Wir sind begeistert, wie die Jugendlichen im Projekt mitmachen. Zwischendurch würde natürlich auch über die letzten Entwicklungen in Nahost diskutiert.

 

19.12.14 Es hat so sehr geregnet und es war stürmisch. In der Innenstadt scheuchten die Lieferwagen ständig die Jugendlichen zur Seite. Aber die SchülerInnen des Leo-Statz-Berufskollegs ließen sich davon nicht beeindrucken. Sie wollten ihre Friedensaktion für Palästina und Israel durchführen.

Die Idee der Jugendlichen verfing: Sie hatten ein großes Peacezeichen mit den Flaggen von Palästina und Israel auf ein Betttuch gesprüht und standen nun im Regen davor. Das ist ein Flashmob, wie ihn in der Türkei berühmt geworden ist. Wortlos sahen sie konzentriert auf das Peacezeichen. Es wirkte. Natürlich gab es an einem Freitag Vormittag um 11 Uhr bei diesem Wetter kaum jemanden, der stehen blieb. Aber einzelne taten es doch und es wurde sofort ein Bündnis mit ihnen gestartet.

 

Anschließend bestiegen die Jugendlichen das Parkhaus am Karlsplatz und hissten ihr Peacezeichen hoch über der Stadt. Das war ein gutes Gefühl und alle hatten den Eindruck, dass die Aktion wichtig war und angenommen wurde.

Völlig durchnässt, aber zufrieden gingen die Jugendlichen in die Weihnachtsferien, denn das war ihre letzte Schulstunde.

 

1.2.15 Geschnitten hatten die Jugendlichen den Film schon gesehen. Nun ist auch der Ton fertig. Was wollen wir jetzt mit dem Film machen. Klar, das wir ihn auf Facebook und auf Youtube veröffentlichen. Wir wollen ihn auch bei NRVision einreichen, wo er im Fernsehen auf Unitymedia Kanal 137 zu sehen sein würde. Aber wie wollen wir die Präsentation gestalten? Das wird nun in den nächsten Tagen mit allen Seiten besprochen und sicherlich spannend verlaufen.