Projekt FAIRE SCHOKOLADE

Kinder lieben Schokolade. Doch was für das eine Kind Genuss ist, bedeutet für das andere harte Arbeit. Mit Hilfe dieses Projekts setzen sich Kinder und Jugendliche mit der Schattenseite des Schokoladenkonsums auseinander. Sie lernen ihr Konsumverhalten zu reflektieren und erarbeiten Möglichkeiten, gegen ausbeuterische Kinderarbeit auf Kakaoplantagen vorzugehen. Das Plakat rechts ist, wie alle unsere Druckerzeugnisse, von Eva Zimmermann aus München gestaltet.

Drei Millionen Farmen in Westafrika, Zentralamerika und in Ländern im zentralasiatischen Raum bauen Kakao auf Plantagen an. Die Elfenbeinküste und Ghana stehen an der Spitze der Kakaoproduktion. Allein aus der Elfenbeinküste kommen 40 Prozent des Rohkakaos, der auf dem Weltmarkt gehandelt wird. Auf vielen Farmen arbeiten auch Kinder beim Kakaoanbau und der -ernte mit.

Während in Amerika Kakao fast ausschließlich auf großen Plantagen angebaut wird, bauen Farmer in Afrika den Kakao in kleinbäuerlichen Betrieben an. Die Tabakbauern legen den Kakao meist in Monokulturen an und verwenden große Mengen an Pflanzenschutzmitteln. Dadurch wird die Umwelt oft stark belastet.

Über 200.000 Minderjährige (laut Unicef) übernehmen auf Kakaoplantagen in Mittel- und Westafrika ausbeuterische, für Kinder ungeeignete Arbeiten. Die Kinder schuften auf den Plantagen meist über zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – und das bei glühender Hitze.

Sie hantieren mit scharfen Macheten und hochgiftigen Pestiziden, ohne Schutzkleidung. Dabei erhalten sie sehr wenig Wasser und Nahrung. Sie tragen schwere Lasten und müssen sogar Bäume fällen. Die Folgen für ihre Gesundheit sind verheerend: Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen, starke Migräne und Fieber durch die Pestizide, Brüche und Schnittverletzungen durch die scharfen Macheten. Im Krankheitsfall erfahren die Kinder jedoch oftmals keine Behandlung. Für ihre schwere Arbeit bekommen die meisten nur einen Hungerlohn, also geradeso genügend Geld, um zu überleben; einige verdienen sogar gar nichts.

Zudem können die Kinder keine Schule besuchen und haben somit auch keine  Aussicht auf eine bessere Zukunft.

 

Film „Schmutzige Schokolade“ (The Dark Side of Chocolate)

Dokumentarfilm von Miki Mistrati und U.Roberto Romano, Deutschland/Dänemark 2010, 45 Minuten. Produktion durch Bastard Film & TV, in Kooperation mit Barbara Biemann (NDR)  und Mette Hoffmann (DR2). 

 Im Jahr 2001 haben Großhersteller aus der Kakaoindustrie wie Nestlé und Mars im Harkin-Engel-Protokoll beschlossen, gegen Kinderarbeit im Kakaosektor vorzugehen. Miki Mistrati und U. Roberto Romano decken in „Schmutzige Schokolade“ jedoch auf, dass die Kakaoindustrie sich bis heute darum kaum bemüht hat. Die Konzerne profitieren weiterhin stark von Kinderhandel und Kinderarbeit und dulden zumindest diese Straftaten. Miki Mistratis Recherche beginnt auf der weltweit größten Süßwarenmesse, der ProSweet in Köln. Hier sind sich alle einig, Kinderarbeit dürfte es auf Kakaoplantagen definitiv nicht geben. Doch Mistratis gefährliche Reise nach Westafrika, der Geburtsstätte der Kakaobohnen, beweist das Gegenteil. Er interviewt Jugendliche, die Opfer von Kinderarbeit und -handel sind, und zeigt erschreckende Bilder von kleinen Kindern auf Kakaoplantagen, die  bedroht und geschlagen werden, wenn sie zu langsam arbeiten. Auf jeder Kakaoplantage, die Mistrati besucht, arbeiten Kinder – und zwar unter unwürdigen und gefährlichen Bedingungen.

2012 nahmen wir Kontakt auf mit Miki Mistrati, weil wir nach einer Möglichkeit suchten, diesen spannenden Film in den Schulen zu zeigen. Er reagiert prompt und schickte uns für 25 Euro eine DVD, die wir ausdrücklich an Lehrer*innen verleihen durften. Er war damit einverstanden, dass wir dafür 10 Euro Verleihgebühr nehmen. Das hat dann geklappt und wir konnten etwa 20 Schulen den Film zur Verfügung stellen. Das Geld, das übrig blieb, konnten wir in die Workshops mit Jugendlichen stecken.

 

Streitgespräch

Die aus dem Film und der Nachbereitung erhaltenen Informationen fließen nun in ein Streitgespräch unter den SchülerInnen ein.  Die Jugendlichen teilen sich in zwei Gruppen auf. Während die eine Gruppe den verwöhnten, deutschen Konsumenten vertritt, der etwa elf Kilo Schokolade im Jahr isst, übernimmt die andere Gruppe die Seite des Kindes, das auf Kakaoplantagen hart arbeiten muss und sich keine Schokolade leisten kann.  Im Streitgespräch werden Probleme, Klischees, Konflikte und erste Lösungsansätze sichtbar.

Ziel des Streitgesprächs ist es die Kompetenz der Jugendlichen zu fördern, andere Perspektiven einzunehmen. Dadurch wird ihr soziales Bewusstsein sensibilisiert, sowie die Reflektion über ihr eigenes Kauf-und Konsumverhalten angeregt.

 

Schreibwerkstatt

Die großen Schokoladenhersteller machen Umsätze in Milliardenhöhe, allein die Firma Ferrero verdient jährlich um die sieben Milliarden Euro. Die Kakaobauern bekommen dagegen für ein Kilo Kakao, aus dem 40 Tafeln Schokolade hergestellt werden, nur einen Euro. Ein beliebtes Produkt der Firma Ferrero ist die ‚Kinder Schokolade‘; Schokolade extra für Kinder. Doch nicht nur verzehren Kinder die Schokolade, Kinder sind  auch an der Produktion von ‚Kinder Schokolade‘ beteiligt. Die Jugendlichen setzen sich in der Schreibwerkstatt mit diesem Problem auseinander. Sie verfassen einen Brief an die Schokoladenindustrie, in dem sie die Ungerechtigkeit, die in der ‚Kinder Schokolade‘ steckt, beschreiben und Forderungen an die Industrie aufstellen.  Die Briefe werden an die Kakaofirma verschickt. Die Schreibwerkstatt dient zur intensiven Reflexion über die erfahrenen Probleme. Außerdem unterstützt sie die Jugendlichen in der Findung, Formulierung und Vertretung ihres Standpunktes bezüglich Kinderarbeit.

 

Werbung

Die Jugendlichen analysieren im Unterricht die Mechanismen von Werbespots aus dem Fernsehen. Dadurch wir Ihnen das Ausmaß und die Art und Weise, wie die Medien, insbesondere Werbung, ihre Meinungsbildung und ihr Konsumverhalten beeinflussen, bewusst. Die erarbeiteten Kenntnisse können die SchülerInnen anschließend nutzen, um selbst aktiv zu werden. Sie gestalten Plakate, Flyer oder einen eigenen Werbespot, um auf die ungerechten Missstände in der Kakaoindustrie aufmerksam zu machen.   Diese Methodik fördert die Sozial- und Medienkompetenz von Jugendlichen nachhaltig. Bei unseren Workshops haben wir an einem normalen Nachmittag in der Woche die Werbestrecke von RTL II aufgezeichnet und kommentarlos im Klassenzimmer vorgespielt. Die Wirkung war verblüffend. Die Werbung, die praktisch alle Jugendlichen kannten, sahen sie plötzlich konzentriert und in einem anderen Zusammenhang.

 

Verkaufsstand

Die Jugendlichen informieren sich über den Fairen Handel, der mit seinen Produkten eine nachhaltige und gerechte Alternative darstellt. Denn der Faire Handel legt Wert auf einen gerechten Mindestlohn und die Einhaltung von Sozial-und Umweltstandards bei der Produktion. Anschließend recherchieren die SchülerInnen, wo es in ihrer Umgebung Verkaufsstellen mit fair gehandelten Kakaoprodukten gibt. Sie bieten einem Geschäft eine Verkaufsaktion an. Mit ihren selbst gemalten Flyern und Plakaten erklären sie den Kunden den Unterschied zwischen “normalem” und fair gehandeltem Kakao und überzeugen sie davon, faire Schokolade zu kaufen.  Die Aktion kann mit einer Meinungsumfrage unter den Kunden über fair gehandelte Produkte verbunden werden.

Verkaufsaktion für Fairen Handel bei REWE Düsseldorf

Die Auseinandersetzung mit dem Fairen Handel stärkt ein kritisches Konsumverhalten bei den SchülerInnen. Ebenso verdeutlicht es ihnen, wie sie selbst sich für von Ausbeutung betroffene Menschen einsetzen und Veränderungen mitgestalten können. Die Jugendlichen werden dabei  auf Hindernisse und Unverständnis treffen, aber sie werden auch Freude, Kraft und Selbstvertrauen über kleine Erfolge erleben, wenn sie hartnäckig bleiben und Initiative zeigen.

 

Verkraufsaktion bei REWE

Anfang 2014 konnten wir mit der 5. Klasse der Hulda-Pankok-Gesamtschule Düsseldorf die Verkaufsaktion bei REWE durchführen.

Verkaufsaktion bei REWE

Als wir bei REWE nachfragten, stellte sich heraus, dass der Auszubildende von REWE den Auftrag erhalten hatte, eine Nachhaltigkeitsaktion zu machen. Wir erhielten wirklich viel Unterstützung durch den Leiter der Filiale.

 

Das Projekt im Jugendarrest Düsseldorf

2012 konnten wir im Jugendarrest Düsseldorf das Thema Kinderarbeit auf Kakaoplantagen mit jungen Der Film “Schmutzige Schokolade” beeindruckte die Jugendlichen sehr. Das Kinder wie Sklaven gehalten werden, einfach aus Dörfern geraubt zur Arbeit in den Plantagen gezwungen werden, war für die Jugendlichen unfassbar. Vor allem aber die Haltung der Verantwortlichen bei den Markenproduzenten brachte sie beinahe aus der Fassung. Im Jugendarrest führten wir das fünfteiliges Projekt “GewaltMAL” in dem die Jugendlichen fünf Themen kennenlernten: Kinderarbeit in der Fußballindustrie und auf Kakaoplantagen, Kindersoldaten, Kinderprostitution und Mädchenbeschneidung.

 

 

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